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Liebe Leser,

ich möchte Ihnen heute ein Dossier einer bekannten Autorin näherbringen. Mit Gelassenheit, Selbstbewusstsein und Selbsterkenntnis können wir einfach altern, ohne die Furcht, durch die Gesellschaft vergessen zu werden. Es geht um die eigene Freiheit und um die Möglichkeit, auch Widerstände zu überwinden und nicht der Mülleimer für die Probleme anderer Mitmenschen zu sein.

seinen weg gehen

„Sie wollen wissen, wie alt ich bin? Vergessen Sie´s. Ich tue das nämlich auch und lasse mir von keinem erzählen, das wäre albern und eitel. Was andere Leute für eine Meinung von mir haben, ist ihr Problem. Ich bin jedenfalls in dem Alter, wo die beste Alterserscheinung meine persönliche Freiheit ist. Die Freiheit, sagen zu können: Sorry, ich habe nicht um Wohnrecht in ihrem kleinen Schubladenschränkchen gebeten!

Ich sehe meistens gut aus, ich fühle mich gut, ich habe zwei Kinder, danke, das war´s. Manche verlangen trotzdem noch eine Altersangabe mit der Vehemenz von Verbraucherschützern, die auf minutengenauer Haltbarkeitsangabe von Knäckebrot bestehen. Ich habe aber kein Verfallsdatum, weder intellektuell noch sexuell. Im Gegenteil: Mit zunehmender Erfahrung im Gebrauch von Körper und Geist bin ich immer leistungsfähiger geworden, nur mein Bedürfnis nach Ruhe und Schlaf ist größer. Wie alt jemand ist, interessiert mich auch bei anderen nicht. Ich pflege Freundschaften zu tollen Menschen zwischen 25 und 92. Einige davon sind wie externe Erinnerungsspeicher, denen ich meine Lebensgeschichte nie erzählen musste, weil sie schon lange ein Teil davon sind, andere sind neue Freunde und Bekannte.

Die Wissenschaft gibt mir recht, dass Alter nur eine Zahl ist: Isla Rippon und Andrew Steptoe, zwei Epidemiologen vom University College London, haben in einer Studie im Fachblatt Jama Internal Medicine 6500 Senioren gefragt, wie alt sie sich fühlen, und sie acht Jahre lang begleitet. Ergebnis: Das gefühlte jüngere Alter, das man sich selbst zuschreibt, beeinflusst die tatsächlichen Alterungsvorgänge positiv. Und als Prince, das bis zu seinem unerwarteten Tod alterslose Genie, nach seinem Geheimnis ewiger Jugend und Kreativität gefragt wurde, sagte er: Ich glaube nicht an Zeit. Ich zähle sie nicht. Wenn man Zeit zählt, lässt sie einen altern.

Ich zähle ebenfalls keine Zeit. Ich zähle lieber täglich Dinge, für die ich dankbar bin: Sicherheit, Gesundheit, Umarmungen meiner Lieblingsmenschen, Wind, der nach Meer oder Schnee riecht, Sonnentage, Reisen. Statt eine Rest-Lebenserwartung zu haben, erwarte ich das Leben – und zwar viel davon. In jungen Jahren denkt man ja, das Leben schuldet einem was. Da muss das Leben aber lachen! Man schuldet, das wird einem erst später klar, höchstens dem Leben etwas: das Beste daraus zu machen, bis zuletzt. Ich weiß aus meinen Zwanzigern, dass man sich hässlich, verwirrt und panisch fühlen kann, obwohl man fantastisch aussieht, klug ist und einem die Welt offen steht. Ich bin im Sternzeichen Angsthase geboren, aber ich Lauf der Zeit immer schussfester und selbstsicherer geworden.

Große Erwartungen sind kein Privileg der Jugend, und ich zudem alterswild entschlossen, jede Menge Erwartungen anderer zu enttäuschen. Die Zeit, in der man sich einen respektierten Platz in der Gesellschaft und zum Reproduktionsbusiness gesucht hat, geht vorbei. Viele Dinge, die einem einst den Schlaf raubten, erübrigen sich. Mich kümmert einfach nicht mehr jeder Scheiß. Es ist wahnsinnig erleichternd, zu alt und abgeklärt für Sachen und Menschen und Situationen, Sorgen und Gefühle zu werden. Ich nehme nicht mehr alles persönlich, was man bekommt oder eben nicht bekommen kann. Ich lerne zu nehmen und hinzunehmen. Ich habe unterscheiden gelernt, was ich selber will und was Aufträge von anderen waren, die mir als Bezahlung dafür ein unausgesprochenes „Dann liebe ich dich auch“ in Aussicht stellten. Jetzt ist Payback-Time – und falls es kein anderer tut, zahle ich es mir selber heim.

Leben ist wie Zeichnen ohne Radiergummi: Man kann nichts löschen, aber korrigieren, und darf den Stift keinesfalls hinlegen, ehe er einem vom großen Kurator abgenommen wird. Der entscheidet, wann das Lebenswerk fertig ist; rahmt es und hängt es in das unendliche Museum der Menschheitsgeschichte. Es wäre schön, wenn dann einige Menschen da sind, die davor stehen bleiben und sich an die gemeinsamen Zeiten und Plätze erinnern. Daran, wie es ist, mit mir hysterisch gelacht oder geheult zu haben, von mir geliebt worden zu sein. Aber vorher ist es jetzt „an der Zeit, ein Mythos zu werden“, wie Wickelkleiderfinderin Diane von Fürstenberg mal so schön sagte. Und diese Zeit, diese Jahre sind einfach geil, ein Gefühl wie die vorletzten Stunden einer gigantischen Party, zwischen Mitternacht und Tagesdämmerung: Man ist schon etwas müde und leicht betrunken, aber hat auch dieses schwebende Glückgefühl des Intensiv-am-Leben-Seins und wahrscheinlich sogar noch jemanden zum knutschen. Denn eines verspreche ich mir: Wenn ich meinen Körper und den Stift irgendwann mal abgeben werde, dann hoffentlich in gutem Zustand – aber auf keinen Fall „kaum gebraucht“.“

Von Karina Lübke, dessen Alter zwischen 7 und 90 variiert.

Das eigene Leben leben. Was heißt das eigentlich?

Viele Passagen in diesem Text zeigen doch, wie wichtig es ist, sich selbst treu zu sein und sein Leben zu leben. Das Leben ist endlich und jeder hat nun mal nur eines davon. Nutzen wir es und seien wir selbst.

Dies stellt die dritte Reihe unserer Serie „wir coachen uns selbst“ dar und ich wünsche Ihnen viel Erfolg bei der Umsetzung.

 

Ihr

Carsten Renner

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https://carstenrenner.wordpress.com/2017/01/01/impressum-haftungsausschluss-und-datenschutzausfuhrungen/

 

 

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