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Liebe Leser,

ich möchte Ihnen heute eine Kolumne von Klaus Kocks zum besten geben.

„Viele in der Politik frönen der menschlichen Sehnsucht nach gelegentlicher Flucht aus dem grauen Alltag. Zum Leben gehört der Rausch. Das war immer so und wird wohl auch so bleiben.

In Bayern ist Bier ein Grundnahrungsmittel. So wie in Rheinland-Pfalz der Wein zur Lebenskultur gehört. Ich kenne Banker, die Kokain schon zum Frühstück nehmen. Und die Kids rauchen etwas anderes. Bei alldem sind nur Pharisäer strenge Richter. Und man sieht dem einen oder anderen Bundeskanzler a.D. an, dass er dem Rotwein regelmäßig zuspricht. Ich bin gegen jede Prohibition. Und ich hatte bis vor Kurzem nichts gegen eine liberale Drogenpolitik. Jetzt bleibt mir der Begriff im Hals stecken.

Der Bundestagsabgeordnete Volker Beck ist von seinen Ämtern in der Fraktion der Grünen zurückgetreten, weil die Polizei ihn mit illegalen Drogen erwischt hat. Für den Berliner ist von Bedeutung, wo das geschah, am „Nolli“. Das ist der Kosename für den Nollendorfplatz, der als ein Milieu gilt, das von homosexuellen Berlinern bevorzugt wird. Ferner streunen hier Drogendealer, die die ansonsten dort flanierenden Herren mit Aufputschmitteln versorgen. Der aufgegriffene Beck trug eine Droge bei sich, die Crystal Meth heißt, und zwar in einer Menge, die für sechs volle Räusche reicht. Beck wollte den Verstoß gegen das Betäubungsmittelgesetz dadurch rechtfertigen, dass er schon immer für „eine liberale Drogenpolitik“ gewesen sei.

Volker-Beck

Was soll man dazu sagen? Man kann sagen, dass die aus tschechischen Drogenküchen stammende Droge äußerst gefährlich ist. Sie steigert zwar das Leistungsvermögen. Das Zeug gilt als das Geheimmittel der besonders Erfolgreichen. Denn man ist high ohne Ende. Aber sie zerstört den Abhängigen schrittweise seelisch wie körperlich. Hitlers Generäle hatten sie schon genutzt, um den Kampfwillen der Soldaten zu steigern; damals hieß sie noch Pervitin. Mit dem Zeug haben wir also bereits erfolgreich einen Weltkrieg verloren. Was das mit einer liberalen Drogenpolitik zu tun hat, entzieht sich meinem Verständnis. Aber man könnte sagen: Privatsache. Wo gesoffen wird, da darf man als Liberaler auch Synthetisches zu sich nehmen. Könnte man sagen.

Was muss man noch sagen? Crystal Meth erzeugt Hochstimmung, man kann ohne Schlafbedürfnis durchmachen. Es führt ferner zu Indolenz. Das ist Schmerzlosigkeit. Eine solche Schmerzlosigkeit soll bei Sexualpraktiken erwünscht sein, die das Zufügen und/oder Erleiden von Schmerzen zu einer beidseitig gewünschten Praktik machen. Die Berliner Polizei spricht von einer SM-Droge; gemeint ist Sadismus/Masochismus. Auch das ist Privatsache. Woher ich das weiß? Nun, es wurde mir von Kriminalreportern als Gerücht erzählt, als der Bundestagsabgeordnete Michael Hartmann in gleicher Sache erwischt wurde. Er soll seine Dealer mit einem Dienstfahrzeug der Fahrbereitschaft des Deutschen Bundestags in einer Kleingartensiedlung aufgesucht haben, um sich mit Crystal Meth zu versorgen. Ein Spesenvergehen, ansonsten aber Privatsache?

michael_hartmann

In Mainz kennen (oder kannten ?) Herrn Hartmann viele, ich kenne ihn nicht näher. Dass er zum Umfeld von Herrn Sebastian Edathy gehörte, dem Kunden der Kinderschänder, hat mein Interesse an ihm nicht gesteigert. Fehltritt verziehen, Herr Hartmann, Privatsache. Aber den Beck, den kenne ich. Ich schätze ihn als Politiker. Wir haben gelegentlich im Flieger von Berlin nach Bonn geplauscht. Ich bedaure sehr, dass er zurücktreten musste. Wegen einer Privatsache.

Sebastian Edathy

Doch Moment! Sowohl Hartmann als auch Beck sitzen noch immer im Bundestag. Beide haben ihr Mandat eben nicht niedergelegt. Nur einige Pöstchen. Die Diäten, so nennt man das Gehalt der Abgeordneten, fließen weiter. Krokodilstränen, große Reue, aber die Hand weiter aufhalten?

Keine Privatsache. Mir ist egal, was die Leute in ihren Betten treiben oder in denen anderer. Und ob sie sich herzen oder verprügeln. Was Erwachsene als Ersatz für Bier, Schnaps und Wein so zu sich nehmen, darüber hat letztlich die Justiz statt meiner zu richten. Was ich ungern habe, ist, wenn ich als Staatsbürger veralbert werde. Die Herren sind nicht zurückgetreten. Sie genießen Immunität und haben sich aus den Schlagzeilen genommen, aber halten weiter die Hand auf. Und das Geld kommt von uns, den Steuerzahlern. Keine Privatsache.“

Ich fand den Artikel so treffend und gut formuliert, dass ich nichts hinzufügen möchte.

Ihr

Carsten Renner

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https://carstenrenner.wordpress.com/2016/01/07/impressum-haftungsausschluss-und-datenschutzausfuhrungen/

 

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