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Liebe Leser,

heute geht das Jahr 2015 seinem Ende entgegen. Es ist, wie in jedem Jahr, viel passiert und einen Überblick zu verschaffen, würde den Rahmen sprengen. Denn jeder Einzelne beurteilt seine Rückschläge, seine Erfolge und sein Jahr anders.

Ein paar Dinge jedoch vereinen uns in diesem Jahr. Erstens, wir sind älter geworden, wir haben weiter an Erfahrungen gewonnen und unsere Freiheit wurde uns wieder ein kleines Stück genommen.

Durch Angst und vermeintlicher Sicherheit will man uns schützen.

Doch Angst ist ein schlechter Ratgeber und eine hundertprozentige Sicherheit gibt es nicht. Freiheit bedeutet Verantwortung zu übernehmen, für das eigene handeln und für die Gesellschaft. Diese Freiheit kann man mit der Sicherheit verbinden, allerdings hilft nur Mut zur Freiheit!

Dazu eine kleine Geschichte – für die guten Vorsätze zum neuen Jahr.

Gestern Abend an der Haustür. Es klingelt und ich mache auf.

Angst: „Guten Abend.“

Ich: „Guten Abend.“

Eine kurze Pause folgt.

Ich: „Wer bist Du?“

Angst: „Ich bin die Angst. Darf ich reinkommen?“

Ich: „Nein, eigentlich nicht, keine Zeit.“

Angst: „Tja, dann hättest Du mal besser nicht die Tür aufgemacht.“

Schon ist sie drin, die Angst, und legt ihren Mantel ab. Nackt, glatt, nicht zu fassen. Sie wirft sich aufs Sofa. Auf mein Sofa.

Angst: „Na, was ist, nichts zu knabbern da?“

Ich: „Was? Äh doch, klar, sorry!“

Ich eile in die Küche und kippe ein paar Salzstangen in ein Glas. Mein Blick geht aus dem Fenster. Ziemlich dunkel draußen, denke ich mir.“

Angst (lacht): „Ziemlich dunkel draußen, nicht wahr?“

Die Angst schiebt sich die ersten Salzstangen rein in den Mund.

Ich: „Also, ähm, ich…“

Angst: „Komme ich ungelegen?“

Ich: „Ziemlich, weil… ich wollte… eigentlich… gerade los, mit Freunden… auf ein Konzert… und hinterher noch was essen…“

Angst: „Prima, da komme ich doch einfach mit.“

Ich: “ Was willst Du? Nein, ausgeschlossen!“

Angst: „Hast du etwa Angst vor mir?“

Ich: „Und wenn schon, die Grundlage des Optimismus ist blanke Angst, und außerdem hast du keine Eintrittskarte fürs Konzert!“

Angst: „Och, ich komme gerade überall umsonst rein.“

Ich: „Aber keiner will dich!“

Die Angst schweigt kurz, steht nur da und klotzt mich an. Ein Handy klingelt. Ich zucke zusammen. Die Angst fischt ein Smartphone aus ihrem Mantel.

Angst: „Hallo Thomas, na, gibt es was Neues?“

Ich runzel die Stirn.

Angst (ganz leise zu mir): „Das ist Thomas, die Misere!“

Die Angst lauscht ins Telefon.

Angst: „Mh hm, ja, mh hm… oh, das ist ernst… ja… verstehe… nee, nee… ich sag nix, hab hier einen Routinefall, nee, brauchst du nicht zu kennen… der wollte noch auf ein Konzert mit Freunden und anschließend was essen… ja, ja… ist halt so… Ermessenssache… nee, ich sag nix… Mach´s gut!“

Die Angst legt auf.

Ich: „Wie, war das der…“

Angst: „…ja, der Innenminister, guter Freund von mir, und ich muss dir mitteilen, dass dein Konzert und auch das Essen ausfallen müssen. Die Entscheidung ist Thomas nicht leicht gefallen. Er bittet um Verständnis, dass er aus ganz grundsätzlichen Erwägungen die Quelle und das Ausmaß der Gefährdung nicht nennen will. Das würde nicht der nationalen Sicherheit dienen.“

Vorsicht

Ich: „Willst du mir jetzt Angst machen?“

Angst: „Versteh bitte, das ich die Antwort auf diese Frage nicht geben möchte. Ein Teil dieser Antwort würde dich verunsichern.“

Die Angst lässt sich gut gelaunt wieder auf das, mein Sofa plumpsen und greift sich die nächsten Salzstangen und meine Fernbedienung.

Angst: „Lust auf einen Horrorfilm?“

Es klingelt erneut an der Tür. Ich zögere.

Angst: „Du willst doch jetzt nicht die Tür öffnen!“

Ich: „Wieso denn nicht? Hab ich bei dir doch auch gemacht!“

Angst: „Ach ja? Und wenn es ein durchgeknallter Islamist ist, der dich als Geisel nimmt und dich zwingt, sein mit Sprengstoff vollgeladenes Auto in die nächste Gaststätte zu rammen?“

Aber ich habe die Tür aufgemacht…Meine Freunde sind da, um mich für das Konzert abzuholen. Ich steige in die Schuhe des Vertrauens, ziehe die Jacke der Zuversicht an, setze den Hut des Mutes auf und stecke die Schlüssel der Gelassenheit in meine Tasche. Ich höre noch, wie ein Glas zu Bruch geht und ein Mantel eilig raschelt. Aber da habe ich der Angst schon die Tür vor der Nase zugeknallt. Bin gespannt, ob sie den Scherbenhaufen noch wegräumt, bevor sie verschwindet.

(Auszüge von Jochen Krümmel)

Winke winke

Bleiben Sie wachsam

 

Ihr

Carsten Renner

CarstenRenner14-2-14 019

https://carstenrenner.wordpress.com/2015/06/01/impressum-haftungsausschluss-und-datenschutzausfuhrungen/

 

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