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Wie war es noch früher… ?

Einfach mal so erzählt von und mit Carsten Renner.

Werte Leser,

ich möchte heute mit Ihnen ein Teil meines Lebens teilen, Sie entführen in eine Welt der Freiheit und des Lebens.

Vor über einem viertel Jahrhundert, also im letzten Jahrtausend, durfte ich als Zeuge in einer Gesellschaft groß werden, die aus den Augen eines Heranwachsenden wunderbar frei war, mit wenig Zwängen und viel Erlaubten.

Ich erinnere mich noch wie ich als kleines Kind zum ersten Mal die frische Luft eines ordentlichen Winters im Westerwald schnuppern durfte. Diese Frische und die damit verbundene Freiheit genieße ich noch heute, wenn ich zu meinen Wurzeln zurückkehre und in meiner Heimat bin.

Der Ort hieß Kaden, er ist ein kleiner Ort im Westerwald, liegt zwischen Bad Marienberg, Hachenburg und Montabaur und war damals der Nabel der Welt. Früher hieß es immer, nur 100km bis Köln und Frankfurt, besser kann es nicht sein. Gerade einmal so um die 600 Einwohner lebten in Kaden in den Siebzigern, es gab fünf Gaststätten, eine Menge Vereine und sogar eine Hütte am Wald, wo sich die Männer am Wochenende trafen, um ihren Frühschoppen zu begehen.

Wir Kinder durften überall spielen, uns frei entfalten und selbst bei einem Verstoß gegen eine Regel gab es ein mahnendes Wort, aber keine Schläge oder Anzeigen. Wir spielten im Sommer fast täglich Büchsenverstecken, Fußball oder gründeten Banden und versteckten uns im Wald. Unsere Eltern wussten nicht immer wo wir waren, dennoch war es kein Problem, denn irgendwie wurde auf alle geachtet.

Aus Sicht eines Kindes war es ein Paradies und Angst hatten wir nur vor dem Schokoladenmann. Das ist der Mann der mit Schokolade versucht die Kinder ins Auto zu locken. Ich bin diesem Mann nie begegnet und vielleicht lag diese Angst auch in dem Film „Es geschah am hellichten Tag“ mit Gerd Fröbe und Heinz Rühmann begründet. Doch unsere Eltern warnten uns vor Menschen, die wir nicht kannten und egal wo wir auch spielten, wir achteten auch auf uns selbst und unseren Nachbarn. Welches Kind kann heute schon so frei seine Kindheit genießen?

Mit drei Jahren ging man in den Kindergarten nach Kölbingen, dem Nachbarort. Dort durften wir weiterhin Kinder bleiben, kein Englisch, nur ein paar Lieder, ein paar Bilder und viel spielen. Buchstabieren konnten wir am Ende auch und die Zahlen von 1 bis 10 waren kein Problem. Und damit es uns nicht zu langweilig wurde, haben wir mit fünf oder sechs Jahren in die Grundschule gewechselt.

Was ich fast vergessen hätte. Es gab kein Handy, kein GPS, keine Totalüberwachung und in jedem Dorf in der Dorfmitte stand eine Telefonzelle, die funktionierte. Es gab Kaugummiautomaten und zwei Tante Emma Läden, einen für das Oberdorf und einen für das Unterdorf. Die vielen Landwirte, meist Kleinbauern, brachten ihre Tiere frei auf die Weide und am Sonntag war die Kirche voll mit Menschen aus verschiedenen Dörfern. Der Pfarrer hatten einen Stellenwert gleich neben dem Bürgermeister und die Polizei kannte man nur, weil einige Dorfbewohner dort arbeiteten.  Es gab Getränkedosen, die wir im Anschluss zum Fußball oder Hockey spielen nahmen und zum Großeinkauf wurde zum Famila nach Westerburg gefahren.

Um eines zu sagen, es gab auch damals schon Kinder, die außen vor waren, Schläge von den Eltern, wenn man etwas unartiges getan hatte und untereinander ging auch nicht alles reibungslos. Aber es gab klare Regeln, keine Waffen und wer am Boden liegt, wird nicht weiter getreten. Wir bewarfen und mit Kartoffeln und Äpfeln, aber nicht mit Steinen und Schlagstöcken. Und meist gingen solche Auseinandersetzungen auch glimpflich aus, mal ein blaues Auge oder ein paar Schrammen, das wars.

In der Grundschule wurden uns die damals wichtigen Dinge des Lebens beigebracht. Es gab Mathematik, Schreiben und Lesen, Sport, Musik und Religion. Sogar Samstags war manchmal Schule. Es gab kein Englisch, keine Computer, keine Smartphones und das einzige Klingeln am Tag war die Pausenglocke. In den vielen Vereinen durfte man einfach mal reinschnuppern und meist waren die Erwachsenen auch gleich in mehreren Vereinen tätig, mal passiv, mal aktiv.

Am Wochenende war das große Highlight das Fußballspiel unseres Dorfvereins gg wen auch immer in Obersayn. Dort trafen sich an sonnigen Tagen bis zu hundert Leute und dies in den untersten Ligen. Der Aufstieg wurde angemessen gefeiert und die Niederlagen  betrauert. Am Karneval zogen wir Kinder in kleinen Gruppen von Haus zu Haus, sangen Lieder und füllten unser Erspartes auf. Die Kirmes war stets gut besucht und man kannte sich über die Ortsgrenzen hinweg. Es gab Kegelclubs, die verreisten einmal im Jahr und die Geburtstage wurden im eigenen Heim gefeiert. Ich weiß bis heute nicht, wie meine Eltern zwanzig Leute im Wohnzimmer untergebracht haben.

Ob Sie es glauben oder nicht, es fehlte uns aus damaliger Sicht an fast nichts. Wir waren frei und wenn wir mal die Bundeswehr sahen, dann nur zu Übungen am Hexenwald. Dort standen Sie dann mit Hubschraubern, Jeeps und Panzern. Wir sammelten die Übungspatronen ein und bekamen dafür Schokolade. Einige Frauen aus dem Dorf kochten Kaffee und backten Kuchen für die Soldaten. Sie waren ein Teil unserer Gesellschaft, Krieg gab es nur im Fernsehen und auf den ersten Spieleautomaten.

Meine ersten Fahrten im Auto waren noch ohne Kopfstütze und Anschnallgurt. Zum lenken brauchte man noch Kraft und beim einparken hat einem kein Computer geholfen. Zum Fußballtraining fuhren wir oft mit dem Fahrrad ins Nachbardorf und danach wieder zurück. Manche kamen auch zu Fuß, wenige wurden gefahren. Am Spielfeldrand standen keine Eltern wie heute, die ihre Kinder keine Minute Freiheit gönnen, Platz zur Entfaltung und Raum zum atmen geben. Nein, meine Eltern habe ich morgens vor der Schule gesehen, Mittags wenigstens einen Elternteil, der mit mir auch Hausaufgaben gemacht hat und abends waren wir gemeinsam zu Hause. Nach dem Sandmännchen war der Tag für mich zu Ende und ich ging ins Bett. Das Abendprogramm ab acht war nur für die Erwachsenen vorgesehen und am Wochenenden durfte ich Bonanza schauen. Das war eine Westernserie und kam um halb acht. Mit Pistole saß ich oft zwischen den Beinen meines Vaters und habe auf die vermeintlich Bösen geschossen. Die Nähe zu meinem Vater gab mir den nötigen Schutz und so haben wir Guten immer gewonnen.

Und selbst im Teenageralter, als sich die Welt langsam durch den PC veränderte, war die Zeit noch lange nicht so schnelllebig wie heute. Ich fuhr mit meinem Mofa, einer Herkules, zu meiner Freundin. Das waren Reisen bis zu 15 Kilometer. Wahnsinnig und cool! Die 80ér machte das Leben dann einfacher und schneller. Meine Lehrstelle war in Koblenz und bei schlechten Wetter war es nicht immer einfach, dorthin zu reisen. Immerhin 40 Kilometer! Die Partys waren legendär, es gab Alkohol in Massen, die jungen Frauen wurden entdeckt und man war an Coolness kaum zu übertreffen. Im Schwimmbad trafen wir uns in Gruppen und schauten uns die Mädels in ihren Bikinis an. Am Wochenende war die Discothek Octagon der große Treffpunkt für uns. Es gab auch damals schon die Happyhour und die Ladiesnight.

Und ich kann Ihnen sagen und Sie wissen es auch selbst. Auch uns ist etwas geworden! Der Druck war geringer und die Minute hatte auch damals schon 60 Sekunden. Wer studieren wollte, der ging auf die Uni, es war kein Muss in der Gesellschaft, denn auch das Handwerk hatte einiges zu bieten und war anerkannt. Wir waren viel mehr Kinder wie heute und haben alle unseren Weg nach der Schule gemacht. Jeder nach seiner Räson! Den Druck von heute gab es so nicht, die Gefahren waren nicht da und die Chancen manchmal vertan.

Zur Gegenwart kann ich Ihnen sagen, in Kaden gibt es keine Kneipe mehr, die Vereine kämpfen in der Regel ums überleben und der Spielplatz wird kaum genutzt. Die Poststelle hat schon lange zu, die kleine Bankfiliale auch, die Telefonzelle musste weichen und selten sieht man noch Kinder mit selbstgebauten Schwertern im Wald.

Meine Kindheit war eine schöne Kindheit und ich bin froh und stolz, sie so erlebt zu haben. Trotz Rückschläge hat Sie aus uns das gemacht, was wir heute sind. Geben wir dies an unsere Kinder weiter, rücken manchmal noch ein Stück näher zusammen und geben uns das Gefühl der Einheit. Ich weiß, das es in den Städten schwieriger ist wie auf dem Land, allerdings war das auch damals schon so.

http://www.gruenderszene.de/allgemein/technologien-generation-y

http://www.spiegel.de/einestages/verschwundene-dinge-a-947200.html

http://www.vaterfreuden.de/vaterschaft/erziehungsfragen/%E2%80%9Edas-gab-es-bei-uns-nicht%E2%80%9C-kinder-fr%C3%BCher-und-heute

http://www.n-tv.de/mediathek/bilderserien/panorama/Werbung-aus-der-alten-Bundesrepublik-article294385.html

http://www.familie-und-tipps.de/Kinder/Erziehung/Kindheit-frueher-heute.html

Lassen Sie uns LEBEN und GENIEßEN. Die Freiheit, die ich so sehr liebte und liebe soll auch heute noch zu leben sein. Danke

Ihr

Carsten Renner

CarstenRenner14-2-14 041

https://carstenrenner.wordpress.com/2015/01/01/impressum-haftungsausschluss-und-datenschutzausfuhrungen/

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